Ausbildungsbeihilfe für 70 Studenten des Geistlichen Seminars von Kazan

Tatarstan: Christen und Moslems

Das Zusammenleben zwischen Christen und Moslems in der Stadt Kazan ist nicht immer leicht. Die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan liegt 750 Kilometer östlich von 1009 tentoonstelling kazan.pngMoskau und ist ein Zentrum des Islams in Russland. Etwa sechzig Prozent der Einwohner sind Muslime. Seit 1952 unterstützt „Kirche in Not“ die Katholiken in Russland. Der katholischen Pfarrgemeinde von Kazan gehören rund fünfhundert Katholiken an. "Kirche in Not" steht im Kontakt zum dort amtierenden für die Ökumene offenen Erzbischof Anastasij Metkin (Bild rechts), der auch Rektor des Priesterseminars in Kazan ist. Das Kazaner Geistliche Seminar hat eine bewegte Geschichte. Im Seminargebäude befand sich von 1718 bis 1998 eine zweijährige Geistliche Schule (ausgenommen in der kommunistischen Ära, in der sie geschlossen werden musste). Vor der Oktoberrevolution 1917 war die Kazaner Akademie die dritte Geistliche Akademie des Landes. Seit 1830 gibt es eine Abteilung speziell zur Mission anderer Völker, dann kam eine Fakultät für Übersetzer hinzu. Die Revolution von 1917 war eine Katastrophe für die Kirche und die geistliche Bildung in Russland, denn von nun an setzten Verfolgung und Unterdrückung der Gläubigen ein. Gelder wurden gestrichen, Räume konfisziert. Die Akademie ging pleite und konnte nicht mehr finanziert werden. Erst nach dem Fall des Kommunismus kam es zur Wiedereröffnung. 1998 wurde die Ausbildung auf fünf Jahre erweitert.

Kazaner Akademie

Immer mehr Studenten kamen, um an der Kazaner Akademie (Bild unten) ausgebildet zu werden, die sich mit der Universität in Kazan im wissenschaftlichen Anspruch messen konnte. Das Gebäude platzte bald aus allen Nähten. „Kirche in Not“ finanzierte daher den Bau eines zweistöckigen Hauses mit Raum für drei Klassen, Hörsäle, Bibliothek mit Lesesaal, Sprachlabor und Schlafräumen. Das Hilfswerk unterstützt auch die Ausbildung der jungen Männer. Zur Zeit  bereiten sich 70 Studenten aus unterschiedlichen Regionen Russlands auf das Priesteramt vor.

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Wertvolle Bilbliothek

Ein Kleinod ist die wertvolle wirtschaftliche Bibliothek des Seminars. Sie ist die Nachfolge-Bibliothek aller Kazaner Geistlichen Schulen und hat einen Bestand von mehr als 60.000 Büchern, allein aus der Zeit der Vorrevolution – das ist beachtlich. Die Bibliothek gilt als eine der besten Seminarbibliotheken in Russland. Ein paar Seminaristen erstellen unter Anleitung der Bibliothekarin einen Katalog der alten und neuen Bestände. Seit 2000 gibt es eine Verlagsabteilung im Seminar, die das Journal den „Seminar-Boten“ und den Almanach „orthodoxe Gespräche“ ins Leben gerufen hat. Das Seminar hat Spezialklassen für christliche Kunst und beherbergt eine große Ikonen- und Skulpturensammlung. Seit 2003 können die Seminaristen im zertifizierten Kurs zu Theorie und Praxis der Ikonenmalerei, Grundlagen der Malerei und Restaurierung lernen. Es gibt auch Computerklassen, die mit modernster Technik ausgestattet sind. Fünf Studenten kümmern sich um den Internetauftritt des Seminars. Arbeiten der Studenten werden hier im web veröffentlicht. Besucher der Homepage können in ein Gästebuch schreiben. 2006 wurde die Seite www.kazan.eparhia.ru sogar von Patriarch Alexei als besonders wertvolle Seite gewürdigt.

Das Seminar pflegt seit einiger Zeit eine enge Zusammenarbeit mit anderen universitären Instituten. Die Seminaristen und Dozenten forschen zusammen mit dem kirchenarchäologischen Institut, dem Institut Russische Geschichte, mit der Staatlichen Universität in Moskau, der Universität in Kazan, der russischen Bibelgesellschaft und dem orthodoxen Institut. Selbst zum Verband der Bibelgesellschaft in Deutschland und Universitäten in Hessen und Oxford besteht Kontakt. Das Institut der Ostwissenschaften gilt heute nach Sankt Petersburg als zweitwichtigstes Institut Russlands. Bei der Fülle an wissenschaftlicher Aktivität ist es nicht verwunderlich, dass das Seminar  jährliche wissenschaftliche Tagungen organisiert.  Erzbischof Anastasij Metkin resümiert: „Das Kazaner Geistliche Seminar kann zu recht als eines der Zentren des kirchlichen und wissenschaftlichen Lebens der russisch-orthodoxen Kirche bezeichnet werden.“ Im akademischen Jahr 2008/2009 spendete „Kirche in Not“  23.100 Euro für die Ausbildung am Geistlichen Seminars in Kazan. In diesem Jahr möchte „Kirche in Not“ 70 Priesteramtskandidaten mit 20.000 Euro unterstützen.

 

Hintergrund

1009 tentoonstelling kazan 3.pngKazan ist bei KiN bekannt für seine Kathedrale und Ikone. In der Großstadt gibt es seit 2008  wieder eine katholische Kirche, die erste Kirche, bei der eine Behörde in Russland den Wiederaufbau eines in der Sowjetzeit enteigneten katholischen Gotteshauses finanziert hat. KiN hat die Innenausstattung der Kirche und des dazugehörenden Pfarrzentrums ermöglicht. An der Einweihungsfeier der neuen Kirche nahm der ehemalige Kardinalstaatssekretär des Vatikans, Angelo Sodano, teil. Das ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammende Kirchengebäude der katholischen Gemeinde von Kazan war nach der Oktoberrevolution von 1917 enteignet und zweckentfremdet worden. Da eine Rückgabe des Gebäudes nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht möglich war, hatte sich die Regierung Tatarstans 2004 bereit erklärt, das Gotteshaus auf Kosten der Stadtverwaltung an anderer Stelle originalgetreu wiederaufbauen zu lassen. Der zuständige katholische Pfarrer Diogenes Urquisa sagte, es handle sich um einen “einzigartigen Fall der Wiederherstellung der Gerechtigkeit”. Er sprach von einem Wunder, das er und seine Gläubigen der Muttergottes von Kazan zuschreiben. Diese von orthodoxen und katholischen Gläubigen als wundertätig verehrte Ikone hatte Papst Johannes Paul II. im Jahr 2004 der Russisch-Orthodoxen Kirche zurückgegeben. Sie ist eine Replik des verschollenen ursprünglichen Gnadenbildes aus dem 16. Jahrhundert. Während der Sowjetzeit war das Bild im Vatikan aufbewahrt worden.

Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, sowie Kardinal Theodore Edgar McCarrick, der ehemalige Erzbischof von Washington, hatten Russlands meistverehrte Ikone 2004 persönlich zurückgebracht. Für den Russland-Experten von KiN, Peter Humeniuk, ist der Wiederaufbau des katholischen Gotteshauses in Kazan ein Zeichen des Entgegenkommens - sowohl der russischen Regierungsstellen als auch der Orthodoxen Kirche, deren Erzbischof Anastasij Metkin den Wiederaufbau begrüßte. Es handle sich um einen “erfreulichen Beweis eines gegenseitigen Näherkommens”.

 

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