21/09/2009
Eine Intervention der internationalen Gemeinschaft ist dringend nötig, um sein Volk vor Banden von Guerillakämpfern zu beschützen, sagt der Bischof einer abgelegenen Diözese im Süden des Sudan. Bisher wurden 29 Menschen entführt und sieben einer Kreuzigung gleich ermordet.
London/Wien, 21.9.2009 Bischof Eduardo Hiiboro Kussala von der Diözese Tombura-Yambio sagte in einem Interview mit dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT, dass die Angriffe auf unschuldige Zivilisten durch die Lords Resistence Army (LRA) nicht ohne die Hilfe von außen gestoppt werden können. Das Interview gab der Bischof, nachdem eine große Gruppe von LRA Soldaten eine Kirche seiner Diözese gestürmt hatten, diese entweihten, bevor sie 17 vor allem junge Menschen entführten.
Kurz nach dieser Attacke auf die „Our Lady Queen of Peace“ Kirche in der Stadt Ezo wurde einer der verschleppten Männer verstümmelt und an einem Baum gebunden tot aufgefunden. Am folgenden Tag tauchten 3 Männer unversehrt auf, die restlichen 13 werden auch ein Monat nach dem Angriff weiterhin vermisst. Die Diözese grenzt an die beiden Nachbarstaaten Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo.
Gläubige in Nzara
Eine Woche später wurden in der Nähe der Stadt Nzara 6 Menschen überfallen und getötet, nachdem man sie auf Holzteile genagelt hatte. Jene, die die Leichen einige Tage später entdeckten, verglichen die Tat mit einer grotesken Kreuzigungsszenerie. Weitere 12 Menschen wurden einige Zeit später ebenfalls nahe Nzara entführt. Die LRA ist für ihre Grausamkeit gegenüber ihren Opfern berüchtigt. Kurz vor den Attacken war noch ein Team von KIRCHE IN NOT auf Projektreise in den erwähnten Städten.
Als Antwort auf die Angriffe in Ezo und Nzara rief Bischof Hiiboro zu einem dreitägigen Gebetsevent auf, zu dem Christen aller Konfessionen eingeladen wurden. Am Höhepunkt des Events nahmen 20.000 Leute barfuß und in Sack und Asche gekleidet an einem Schweigemarsch teil. Der Protest galt der angeblichen Tatenlosigkeit der Regierung und plädierte für eine Verstärkung der Sicherheit in der Region. Zwei lokale Minister aus Yambio und Juba nahmen am Gebetsevent teil und versprachen, mehr für eine stärkere Polizeipräsenz in der Region zu unternehmen.
Im Interview mit KIRCHE IN NOT betonte der Bischof jedoch, dass der Angriff in Ezo Teil einer Gewaltspirale sei, die nur durch internationale Kooperation durchbrochen werden kann. Er sagte: „Die Regierung hier kann das LRA Problem nicht verändern. Sie versicherten uns mehrmals, dass sie die Angelegenheit unter Kontrolle hätten, aber jetzt sehen wir die Realität.“ „Niemand kommt uns zur Hilfe“, ergänzte er und fuhr fort: „Wir bitten jene, die in der internationalen Gemeinschaft Verantwortung tragen, etwas dagegen zu unternehmen.“
Bischof Hiiboro beschrieb, wie in Ezo hunderte Menschen während des Gebetes zu Maria Himmelfahrt von der LRA angegriffen wurden. Die Soldaten zerrissen die Altartücher, entweihten die Hostien und beschädigten auch anderes Kircheneigentum. „Die Angreifer wollten eindeutig den Menschen Leid zufügen, weil sie wussten, dass sie gerade im Gebet versammelt waren. Die Kämpfer verfolgten den Priester, Pater Justin, der um sein Leben rannte und zur Sicherheit die Nacht im Wald verbringen musste“, erzählte der Bischof. Er ergänzte: „Was im August passierte, war ein großer Schock für uns. Die Gläubigen kamen mit ihrem großen Leid zu mir und baten mich etwas gegen die Situation zu tun – um ihre Kinder und Enkel, welche verschwanden, zurück zu bringen.“
Der Sudan erhielt als Prioritätsland von KIRCHE IN NOT im letzten Jahr (2008) € 1,17 Millionen Euro an Hilfsgeldern.
