28/09/2009
Prag/Königstein im Taunus 26.09.2009 – Die erste Station seiner Apostolischen Reise hat den Heiligen Vater zum Prager Jesuskind geführt. In der Kirche „Maria vom Sieg“ krönte er vor wenigen Augenblicken das weltbekannte Gnadenbild, wie es das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mitteilt. Benedikt XVI sprach bei diesem Anlass das folgende Gebet:
Herr Jesus,
wir sehen Dich als Kind
und glauben, dass Du der Sohn Gottes bist,
der Mensch geworden ist durch das Wirken des Heiligen Geistes
im Schoß der Jungfrau Maria.
Wie in Bethlehem
beten auch wir Dich an mit Maria, Josef,
den Engeln und den Hirten und erkennen in Dir
unseren einzigen Erlöser.
Du bist arm geworden,
um uns mit Deiner Armut reich zu machen.
Lass uns niemals die Armen vergessen
und die Menschen, die leiden.
Beschütze unsere Familien,
segne alle Kinder dieser Welt
und mach, dass unter uns immer die Liebe herrschen möge,
die Du uns gebracht hast und die
das Leben glücklicher werden lässt.
Gib, dass alle, o Jesus,
die Wahrheit Deiner Geburt erkennen,
damit alle wissen mögen,
dass Du gekommen bist,
um der ganzen Menschheitsfamilie
das Licht, die Freude und den Frieden zu bringen.
Du bist Gott und Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater
in der Einheit des Heiligen Geistes
jetzt und in Ewigkeit.
Amen.
Die Krönung durch den Papst stellt die höchste Ehrung dar, die die römisch-katholische Kirche für
Bilder Jesu Christi und der Gottesmutter kennt. Der Präsident von „Kirche in Not“, Pater Joaquín Alliende, kommentiert: „Die Geste des Heiligen Vaters drückt eine tiefe Wahrheit aus. Christus ist bereits als Kind ein König. Das Jesuskind ist der einzige König, der in der Welt Frieden stiften kann.“
Das Prager Jesuskind gilt als Geschenk der heiligen Teresa von Avila an eine spanische Adelige. Als Hochzeitsgeschenk an deren Tochter gelangte es 1556 nach Prag. Seit 1628 steht das Gnadenbild in der Karmeliterkirche „Maria vom Sieg“ auf der Prager Kleinseite. Dort durchlebte der „Kleine König“ eine bewegte Geschichte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Prager Jesulein von sächsischen protestantischen Soldaten geschändet, die seine Hände abhackten, die Figur auf einen Schutthaufen hinter dem Altar warfen und die Karmelitenpatres vertrieben. Einige Jahre später wurde das Gnadenbild von Pater Cyrillus a Matre Dei, einem großer Verehrer des Prager Jesuleins, wiedergefunden. Die Legende erzählt, das Jesuskind habe ihn inständig darum gebeten, seine Hände zu reparieren, und habe ihm versprochen: „Je mehr ihr mich ehren werdet, desto mehr werde ich euch segnen!“ In der Folge blühte die Verehrung des Prager Jesuskindes wieder auf und breitete sich über den ganzen Erdball aus.
Heute kommen jedes Jahr mehr als eine Million Pilger in die Kirche „Maria vom Sieg“ in Prag, um beim Prager Jesuskind Trost und Hilfe zu erfahren und ihm ihre Verehrung zu bezeugen. Dem Gnadenbild werden zahlreiche Wunder und Gebetserhörungen zugeschrieben. Das Prager Jesuskind diente zudem als Inspirationsquelle für das weltbekannte Buch „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry.
Mehr Informationen über das Prager Jesuskind finden Sie auf der Website des Heiligtumes in Prag.
emk