Priesterseminar unter Zelten – Haiti zwischen Trauma und Neuanfang

25/03/2010

Das beim jüngsten Erbeben völlig zerstörte Priesterseminar von Port-au-Prince wird 100325 mis na aardbeving.jpgunmittelbar nach Ostern seine Arbeit wieder aufnehmen. Darauf hat der Erzbischof von Cap-Haitien und Vorsitzende der Bischofskonferenz Haitis, Msgr. Louis N. Kébreau am 23. März in Königstein bei Frankfurt hingewiesen. Die Seminaristen aus verschiedenen haitianischen Diözesen sowie ihre Professoren werden zunächst in Zelten untergebracht. „Der Neubeginn ist ein Zeichen der Hoffnung für unser zerstörtes und traumatisiertes Land“, erklärte Erzbischof Kébreau vor Mitarbeitern des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN). Viele Menschen erwarteten von den Seelsorgern Trost und Hilfe. Nach wie vor lebten die Haitianer unter Schock, ob durch den Verlust des Ehepartners, der eigenen Kinder oder weiterer Angehöriger. Hunderttausende stünden zudem vor den Trümmern ihrer Existenz.

Auch die Kirche habe viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren: Ordensfrauen, Bischöfe, Priester. Unter den Toten seien auch 30 von 260 Seminaristen. „Diejenigen, die überlebt haben, haben alles verloren“, so der Erzbischof von Cap-Haitien. Er selbst habe in den zurückliegenden Wochen viele begleitet, versucht, ihre traumatischen Erlebnisse zu lindern. Jetzt kehre man zur Normalität zurück, wisse aber auch, dass längst nicht alles überwunden sei. Erzbischof Kébreau: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

100325 nuntius Haiti.jpgBereits unmittelbar nach dem Erdbeben vom 19. Januar 2010 hatte „Kirche in Not“ (ACN) der katholischen Kirche Haitis eine Soforthilfe in Höhe von 70.000 US-Dollar gewährt. Für die 230 notleidenden Seminaristen waren dann noch einmal 100.000 Dollar bereitgestellt worden – für Medikamente, Kleidung, Lebensmittel. Dazu erklärte der ACN-Länderreferent im Januar: „Wir helfen, weil die Diözesen ihre Seminaristen nicht unterstützen können. Zudem gehören viele von ihnen keinen Orden an, so dass auch von dieser Seite keine Hilfe zu erwarten ist.“ Das Geld wurde über die Vertretung des Vatikans (Bild links Nuntius) an die Bistümer verteilt.

„Kirche in Not“ unterstützt die Kirche in Haiti seit 1962. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden pastoral-karitative Projekte im Wert von zwei Millionen US-Dollar gefördert.

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Mgr. Louis Kébreau und Mgr. Lanfontant aus Haiti bei Kirche in Not Königstein / Deutschland