Nigeria: Erzbischof von Jos kritisiert nach Ausschreitungen Regierung und Medien

22/01/2010

 

Königstein im Taunus 21.01.2010 – Der Erzbischof von Jos, Ignatius Ayau Kaigama, hat nach den gewaltsamen Ausschreitungen, zu denen es seit dem 17. Januar in Jos gekommen ist und bei denen zahlreiche Menschen getötet wurden, sowohl die nigerianische Regierung als auch die nationalen und internationalen Medien kritisiert. Gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte er, viele Medien würden die Konflikte anheizen, indem sie falsche Informationen vermittelten und versuchten, durch die Veröffentlichung möglichst vieler Bilder Leser und Zuschauer anzuziehen. Dies sei „kontraproduktiv“. Zudem hätten Christen in den Medien oftmals keine Stimme, so dass sie in vielen Fällen als Aggressoren dargestellt würden. Viele Menschen würden der Berichterstattung glauben, als handele es sich „um das Evangelium“. Sie seien sich nicht dessen bewusst, dass es sich oftmals nicht um Fakten, sondern um die Meinung von Journalisten handele. Er forderte eine „sorgfältige und vorsichtige Berichterstattung“. Massacres Nigéria.JPGIm Falle der aktuellen Ausschreitungen sei die Faktenlage noch vollkommen unklar. Vieles von dem, was als Tatsache dargestellt worden sei, habe lediglich auf Gerüchten beruht, kritisierte der Erzbischof. Zudem sei den Medien oftmals daran gelegen, möglichst viel über Gewalt zu berichten, ohne sich um Themen von wirklicher Bedeutung zu kümmern, wenn es um Nigeria gehe.

Laut Erzbischof Kaigama handele es sich im Gegensatz zu der allgemeinen Berichterstattung nicht um religiös motivierte Gewalttaten, sondern um soziale, politische und ethnische Konflikte. Die nigerianische Regierung verabsäume es, den Menschen in Nigeria soziale Sicherheit zu verschaffen. Ein großer Teil der Jugend sei ohne Zukunft, es gebe keine Arbeitsstellen, keine Perspektive. Diese Jugendlichen seien frustriert und verzweifelt, so dass es zu Gewalt komme. Oft werde diese Gewaltbereitschaft dabei von politischen und religiösen Führern missbraucht. In vielen Fällen handele es sich auch um ethnische Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen. Kaigama rief die Regierung dazu auf, Nigeria zu einem „besseren Land“ zu machen, das Potential der Nigerianer zu entwickeln und den Menschen Sicherheit zu verschaffen. Nicht nur die Jugendlichen seien unzufrieden, sondern auch viele Erwachsene, denen beispielsweise für harte Arbeit keine oder nur verspätet Löhne ausgezahlt würden. Die Regierung komme ihrer Verantwortung nicht nach. Nahezu alle sozialen Dienste werden von der Kirche geleistet, ihre Arbeit werde aber von der Regierung dabei nicht unterstützt, sondern sei auf die Unterstützung von Hilfswerken angewiesen. Die nach den gewaltsamen Übergriffen verhängte Ausgangssperre erschwere die Arbeit der Kirche zusätzlich und schüre die Spannungen in der Gesellschaft noch weiter, berichtet er .

Mgr Ignatius Ayau Kaigama.JPGEs müsse ein Anliegen der Kirche sein, den christlich-islamischen Dialog weiterzuführen und ihn zu verstärken, betonte der Erzbischof. Zwar gebe es Menschen, die dies nicht für sinnvoll erachteten, jedoch seien Konflikte „noch nie hilfreich gewesen“. Es sei wichtig, ein Klima der Harmonie und des Friedens zu schaffen und dafür vor allem mit der Jugend zu arbeiten. Hier gebe es zahlreiche Projekte, in denen christliche und muslimische Jugendliche zusammen „lernen und arbeiten“, so Kaigama. Auch die Ausbildung der angehenden Priester und der Katecheten sei von großer Bedeutung, da sie „zu den Menschen gehen, Hoffnung schenken und ganz unten an der Basis Friedens- und Versöhnungsarbeit leisten“.

„Kirche in Not“ ruft die Christen in aller Welt dazu auf, um Frieden und Versöhnung für Nigeria zu beten. Das Werk unterstützt zahlreiche Projekte in Nigeria, darunter die Ausbildung von Priestern und Katecheten sowie die Versöhnungsarbeit der katholischen Kirche.


emk

Bischof Ignatius Ayau Kaigama (kin)