04/05/2012 Abholzung
„Anbau und Abholzung müssen gestoppt werden.“ Mit diesem Appell hat die bolivianische Bischofskonferenz den breitflächigen Coca-Anbau sowie die Vernichtung von Regenwald in Bolivien angeprangert. In dem südamerikanischen Land sollen auf Wunsch der Regierung weitere Flächen gerodet werden. Zudem ist mitten durch ein Naturreservat eine Autobahn geplant, die den Osten Boliviens mit dem Westen Brasiliens verbinden soll. Dabei würden nicht nur wichtige natürliche Ressourcen zerstört, sondern auch die Verbreitung von Coca gefördert, so der Koadjutor der Erzdiözese Santa Cruz, Erzbischof Sergio Alfredo Gualberti, im Gespräch mit Mitarbeitern des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“.

Abholzung in Bolivien (c) Kirche in Not
Die geplante Straße würde direkt durch den Nationalpark „Isiboro Secure“ führen, eine Region, die den Ureinwohner zuerkannt wurde. Kritiker des Projekts fürchten eine zunehmende illegale Abholzung sowie weitere Umweltzerstörungen durch neue Ansiedlungen entlang der geplanten Trasse. Dazu hat die Bischofskonferenz unter dem Titel „Das Universum, ein Geschenk Gottes für das Leben“ einen Pastoralbrief über Umweltschutz, Gerechtigkeit und Entwicklung verfasst.

Pastoralarbeit in Bolivien (c) Kirche in Not
Verhältnis zwischen Kirche und Staat angespannt
In den Andenländern ist aufgrund gesetzlicher Beschränkungen der Anbau von Coca nur
begrenzt möglich, da die Blätter auch zu Kokain weiterverarbeitet werden können. Der im Dezember 2009 wiedergewählte Staatspräsident Evo Morales, zuvor einer der maßgeblichen Führer der Coca-Bauern, setzt sich jedoch seit Jahren für einen weiteren Ausbau der Anbauflächen ein. Kritik aus dem Ausland wie von Seiten der Kirche hat seine Regierung mehrfach scharf zurückgewiesen. Nicht erst seitdem gilt das Verhältnis zwischen Kirche und Regierung als angespannt. Auch eine Verfassungsänderung zur strikten Trennung von Kirche und Staat hat dazu beigetragen.
Ausbildung
In der katholischen Kirche haben die politischen Veränderungen zu einem Umdenken geführt. Für den Episkopat steht nach den Worten von Erzbischof Gualberti der Verkündigungsauftrag im Vordergrund. In den Gemeinden soll die Pastoralarbeit gestärkt und die Ausbildung von Laienkatecheten, Ordensleuten und Seminaristen vorangetrieben werden. Zwar sind offiziell mehr als drei Viertel der rund 10 Millionen Einwohner Boliviens katholisch, doch wird der Glaube längst nicht überall auch gelebt.

Seminaristen in El Alto (c) Kirche in Not
„Kirche in Not“, das sich ausschließlich aus privaten Spenden finanziert, hilft Menschen, die sich im Dienst der Kirche für andere einsetzen. Jährlich werden mindestens 5.000 Projekte finanziert, die vor allem auch der Seelsorge dienen. Ein unverzichtbares Anliegen von „Kirche in Not“ ist der Einsatz für Religionsfreiheit und Versöhnung. Seit der Gründung 1947 wird „Kirche in Not“ als Stimme für bedrängte und verfolgte Christen wahrgenommen. Alle zwei Jahre veröffentlicht das Hilfswerk eine Dokumentation zur „Religionsfreiheit weltweit“ sowie „Christen in großer Bedrängnis“, einen Bericht über die Verfolgung von Christen weltweit.