Angola: „Das Leid der Flüchtlinge ist unvorstellbar.“

24/11/2009

„Kirche in Not“ bittet um Hilfe für aus dem Kongo vertriebene Angolaner

Königstein im Taunus 23.11.2009 – Von „unvorstellbarem Leid“ und „erschütternden Zuständen“ berichten Pater Andrzej Halemba und Ulrich Kny vom internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“, die in den vergangenen zwei Wochen Angola bereist und dabei Flüchtlingslager in der Stadt Damba in Nordangola besucht haben.

Die Regierungen der Demokratischen Republik Kongo und des Nachbarlandes Kongo-Brazzaville weisen zur Zeit sämtliche Angolaner aus, die in den beiden Ländern leben. Das Vorgehen der Behörden sei brutal: Kongolesische Polizisten und Zivilkräfte tauchten unvermittelt auf und forderten Angolaner auf, das Land sofort zu verlassen. Arbeitnehmer würden von ihrem Arbeitsplatz weggeschickt, Schulkinder der Schule verwiesen. Zigtausende Menschen seien gezwungen, sich unmittelbar auf den Weg nach Angola zu begeben, ohne die Möglichkeit zu haben, ihr ohnehin geringes Hab und Gut mitzunehmen. Dabei seien Familien auseinandergerissen und Kinder, die ihre Eltern in dem heillosen Durcheinander nicht mehr wiederfinden konnten, allein zurückgeblieben. Angolaner mit einem kongolesischen Ehepartner müssen ihren Mann oder ihre Frau zurücklassen. Die Flüchtlinge seien gezwungen, teilweise bis zu 900 Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Dabei werde keine Rücksicht auf alte Menschen, Kranke, Kinder und schwangere Frauen genommen, berichten die beiden Mitarbeiter des Hilfswerkes. Den Mitarbeitern des Hilfswerkes sei beispielsweise von einer Frau berichtet worden, die trotz einer frischen Operationswunde am Rücken einen Fußmarsch von 100 Kilometern zurücklegen musste. Frauen bringen ihre Kinder am Wegesrand zur Welt. Einem 15jährigen Jungen, der nach einem Fußmarsch von 75 Kilometern völlig erschöpft und mit wunden Füßen in einem Flüchtlingslager ankam, sei auch noch das Kochgeschirr gestohlen worden. Manche Leute – darunter auch alte Menschen und Kinder – haben tagelang nichts gegessen.

Die angolanischen Diözesen Uíje und Mbanza Congo stehen vor der Herausforderung, 091124 Angola modderpoel (2).JPGTausende von ausgehungerten, erschöpften und oft ernsthaft kranken Flüchtlingen zu betreuen. So seien beispielsweise in der Stadt Damba fünf Auffanglanger eingerichtet worden, aber heftige Gewitterschauer haben den Boden aufgeweicht, so dass die Lage dort, wo die Stadt Zelte zur Verfügung gestellt habe, katastrophal sei. Teilweise seien sogar in den Zelten riesige Pfützen entstanden. Ulrich Kny: „Einige Vertriebene versuchen, gleich zu Verwandten in andere Dörfer weiterzureisen. Andere wissen überhaupt nicht, wohin sie gehen sollen – ihre Dörfer wurden während des Bürgerkrieges völlig zerstört, ihre Verwandten sind geflohen. Wieder andere Vertriebene finden bei ihren Verwandten keine Aufnahme und kehren – noch einmal tiefer verletzt – in eines der Auffanglager zurück.“

In Damba kümmern sich vier Kapuziner und vier Barmherzige Schwestern um die herbeiströmenden Flüchtlinge. Die Ordensfrauen haben ihr Kloster für Flüchtlinge geöffnet. Weitere Flüchtlinge finden in leerstehenden oder noch nicht fertiggestellten Gebäuden Unterkunft. „Die Schwestern helfen so gut sie können. Sie nehmen die Menschen bei sich auf, verteilen Lebensmittel, Geschirr, Windeln, Medikamente und Kleidung, sorgen dafür, dass die Vertriebenen gegen Tetanus, Polio und andere Krankheiten geimpft werden, und versuchen, den Betroffenen seelischen Beistand zu leisten“, berichtet Pater Halemba. Jeden Tag betreuen sie Hunderte Menschen. Zahlreiche Freiwillige Helfer aus der Pfarrei helfen ihnen dabei. Die Zahl der Flüchtlinge nehme von Tag zu Tag zu.

Schätzungen zufolge seien in den vergangenen Wochen bereits 40.000 Kongo-Angolaner ausgewiesen worden. Dabei handele es sich offenbar um einen „Racheakt“ für die Ausweisung illegaler kongolesischer Flüchtlinge aus Angola, die vor zwei Jahren begonnen hatte. Im Gegensatz dazu beschränkten sich die Ausweisungen in den beiden Kongos nicht auf illegale Einwanderer, sondern richteten sich gegen alle Angolaner, die als Bürgerkriegsflüchtlinge oder aus anderen Gründen legal im Lande lebten, so die Vertreter von „Kirche in Not“. Die Bischöfe der Diözesen Uíje und Mbanza Congo haben „Kirche in Not“ dringend um Unterstützung für die Flüchtlinge gebeten. Das Hilfswerk bittet um Spenden für die Vertriebenen.

Wie sie helfen können? DU doneer_button.gif

emk

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